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Kategorien-Archiv: Projekt

Dynamics AX Projektmodul

Earned Value Management (4)

25 Freitag Mär 2016

Posted by Ludwig Reinhard in Projekt

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Schlagwörter

Earned Value Analyse, Projektcontrolling, Projektmodul

Fortsetzung von Teil (3)

G. Dynamics AX Projektanalyse
Innerhalb dieses Unterabschnitts werden die im Standard von Dynamics AX verfügbaren Earned Value Analyse Instrumente mit den zusätzlichen Auswertungsmöglichkeiten verglichen, die sich über die hier aufgezeigte Einrichtung und Nutzung des Projektmoduls ergibt.

G.1. Dynamics AX Standard Earned Value Analysis Tools
Die standardmäßig verfügbaren EV Auswertungsinstrumente beschränken sich zum einen auf eine Earned Value Grafik und zum anderen auf eine zweite „actual vs. forecast“ Grafik, welche die Projekt-Plan- und Ist-Werte miteinander vergleicht.
DE_84_0166
Was man den obenstehenden Grafiken entnehmen kann ist ein einziger Earned Value Datenpunkt, der betragsmäßig den ursprünglich geplanten Kosten entspricht. Interessanterweise wird dieser Wert in der Zeitschiene vor dem eigentlichen Projektbeginn ausgewiesen, obwohl alle Projektbuchungen in späteren Perioden erfasst wurden. Eine detaillierte Analyse des Projektfortschritts erscheint mit Hilfe dieser Grafik nicht möglich insbesondere auch deshalb nicht, weil keine Istwerte in der Grafik erkennbar sind.

Die untenstehende Grafik stellt den geplanten Projektaufwänden die tatsächlich realisierten Projektaufwände gegenüber. Wie eingangs erwähnt ist ein solcher Vergleich für Projektcontrollingzwecke wenig brauchbar.

Zusammenfassend kann man somit festhalten dass die im Standard verfügbaren Projektcontrollinginstrumente für ein detailliertes Projektcontrolling unzureichend sind.

 

G.2. Alternative Dynamics AX Standard Earned Value Analysis Tools
Betrachten wir nun die sich über die vorgenommenen Projekteinstellungen und –buchungen zusätzlich ergebenden Auswertungsmöglichkeiten.

Zunächst ist an dieser Stelle die Vorkalkulationsmaske zu erwähnen, die für die unterschiedlichen Projektzeiträume einen Überblick über den Earned Value in der Spalte „antizipierter Umsatzerlös“ und über die Kostenabweichung in der Spalte „Bruttogewinn“ ermöglicht. Beispiel:
DE_84_0180
Hinweis: Die Bruttogewinnspalte kann über eine entsprechende Maskenpersonalisierung im Überblicksreiter der Vorkalkulationsmaske bereitgestellt werden.

Leider kann die Planabweichungsgröße nicht gleichermaßen in der Vorkalkulationsmaske personalisiert werden, so dass bei Bedarf an dieser Stelle eine Systemanpassung erforderlich ist.

Zusätzlich zur Vorkalkulationsmaske besteht aufgrund der durchgeführten Projektbuchungen über den Management Reporter eine weitere Möglichkeit zur Abbildung der Earned Value Analyse. Einzige Voraussetzung hierfür ist, dass die Planwerte aus dem Projektstrukturplan in das Budgetmodul übertragen wurden. Ist diese Voraussetzung gegeben, so können Earned Value Auswertungen der folgenden Art auf einfache Weise erstellt werden. Beispiel:
DE_84_0190

 

H. Zusammenfassung
Zusammenfassend kann man somit festhalten dass die im Standard von Dynamics AX verfügbaren Funktionen ein detailliertes Projektcontrolling entsprechend dem EVM Ansatz erlauben.

Darüber hinaus hat die im Rahmen dieser Beitragsreihe vorgestellte Umsetzungsmöglichkeit den Vorteil dass sie sowohl die POC (Percentage of completion) als auch den CC (completed contract) Projektbuchungsansatz gleichzeitig abbilden kann und es Unternehmen dadurch erlaubt Auswertungen nach unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards zu erstellen.

Fortsetzung und Abschluss dieser Beitragsreihe im letzten Teil (5)

Earned Value Management (3)

20 Sonntag Mär 2016

Posted by Ludwig Reinhard in Projekt

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Schlagwörter

Earned Value Analyse, Projektcontrolling, Projektmodul

Fortsetzung von Teil (2)

F. Dynamics AX Projektabwicklung

F.1. Erfassung von Gebührenbuchungen auf dem Aufwandsprojekt
Nach Fertigstellung aller notwendigen Einrichtungen beginnt schließlich die Projektarbeit; in meinem Fall mit der Buchung von drei Gebührenpositionen auf dem Aufwandsprojekt für die nachfolgende Rechnungsstellung an den Kunden.
DE_84_0095

Bitte beachten sie, dass die an dieser Stelle durchgeführten Gebührenbuchungen zu keinerlei Sachkontobuchungen führen, da Projektgebührenbuchungen in keinem Zusammenhang mit Projektkosten stehen. Die Belegbuchungsmaske für die erfassten Gebühren weist daher keinerlei Einträge auf.
DE_84_0100

 

F.2. Rechnungsstellung an den Kunden über das Aufwandsprojekt
Nach der Erfassung der Projektgebührenbuchungen werden diese – aus Vereinfachungs- und Darstellungsgründen – unmittelbar an den Kunden berechnet. Ergebnis dieser Berechnung sind die folgenden Sachkontobuchungen:
DE_84_0105 DE_84_0110

 

F.3. Buchungen von Stunden und Ausgaben
Nach der Erfassung der Projektgebühren und der Abrechnung an den Kunden werden die in den verschiedenen Projektphasen angefallenen Arbeitsstunden und Aufwendungen über gewöhnliche Projektjournale gebucht.
DE_84_0115 DE_84_0120

 

F.4. Projektphase als abgeschlossen markieren
Nachdem die Arbeiten an einer Projektphase abgeschlossen sind, wird diese als abgeschlossen gekennzeichnet, um basierend hierauf den sog. Earned Value zu berechnen.

Beispiel: Vor dem Abschluss der Projektphase wird ein Fertigstellungsgrad von 9,56% im Projektstrukturplan ausgewiesen.
DE_84_0125

Nach Abschluss der Projektphase ändert sich der Fertigstellungsgrad aufgrund des geänderten Restaufwandes auf 9,7%.
DE_84_0130

 

F.5. Start und Buchung Vorkalkulation
Nachdem die verschiedenen Projektphasen jeweils als abgeschlossen markiert wurden wird die sog. Vorkalkulation für das Festpreisprojekt durchgeführt und gebucht. Beispiel für den Aufruf der Vorkalkulation nach Abschluss der ersten Projektphase:
DE_84_0135 DE_84_0140

Hinweis: Die im Rahmen der Vorkalkulation verwendete Kostenvorlage referenziert auf den im Projektstrukturplan ausgewiesenen Fertigstellungsgrad.
DE_84_0145

Ergebnis: Nach der Berechnung der Vorkalkulation kann man folgendes Ergebnis der Vorkalkulationsmaske entnehmen:
DE_84_0150

Aus der obenstehenden Maske kann man zum einen den weiter oben im Projektstrukturplan bereits identifizierten Fertigstellungsgrad von 9,7% erkennen. Darüber hinaus ist der Gesamt-Budgetwert in Höhe von $1218000 ersichtlich, der in der Akontomaske als Meilenstein erfasst wurde. Basierend auf diesen beiden Werten ermittelt sich der EV wie folgt:
DE_84_0155
DE_84_0160
Der so ermittelte EV wird in der Vorkalkulationsmaske in der Spalte “antizipierter Umsatzerlös” ausgewiesen.

Nach Buchung der Vorkalkulation ergibt sich folgendes Bild auf den Sachkonten:
DE_84_0165

Diese Buchungen lassen sich wie folgt interpretieren:

  • Zunächst werden die mit den stunden- und ausgabenbezogenen Buchungen zusammenhängenden Kosten auf den WIP Konten in der Bilanz erfolgsneutral „zwischengeparkt“,
  • Mit der Buchung der Vorkalkulation werden diese zwischengeparkten Kosten in die GuV übernommen und beeinflussen somit unmittelbar den Unternehmenserfolg,
  • Die Zusatzbuchung auf dem WIP und Erlösabgrenzungskonto erlauben es den angefallenen und in die GuV übernommenen Kosten die zugehörigen „earned values“ (Erlöse) gegenüberzustellen und ermöglichen somit erst ein sinnvolles Projektcontrolling.
  • Die Rechnungsbuchung an den Kunden weißt schließlich die an externe Adressaten ausgewiesenen Umsatzerlöse aus und ermöglichen somit im Zusammenspiel mit den statischen Erlösabgrenzungsbuchungen eine flexible und parallele Berichterstattung nach unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards.

 

F.6. Wiederholung der Schritte F3 – F5
Für jede Projektphase sind die Schritte F3 bis F5 bis zum Abschluss des Projekts zu wiederholen.

Fortsetzung folgt in Teil (4)

Earned Value Management (2)

16 Mittwoch Mär 2016

Posted by Ludwig Reinhard in Projekt

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Schlagwörter

Earned Value Analyse, Projektcontrolling, Projektmodul

Fortsetzung von Teil (1)

C. Dynamics AX Projekteinrichtung
Um EV Informationen auf Sachkonten abzubilden und analysieren zu können empfiehlt sich die Einrichtung der folgenden Projektstruktur:

Zunächst der Einrichtung eines gewöhnlichen Aufwandsprojektes, welches sämtliche Buchungen auf GuV-Konten erfasst.
DE_84_0045
Hinweis: Dieses Projekt wird nachfolgend ausschließlich für die Rechnungsstellung an den Kunden benötigt, nicht aber für die Erfassung von Kostengrößen.

Neben dem Aufwandsprojekt wird darüber hinaus ein Festpreisprojekt angelegt, auf dem alle stunden- und aufwandsbezogenen Transaktionen erfasst werden. Eine Rechnungsstellung an den Kunden findet über dieses Unterprojekt nicht statt.
DE_84_0055
Da sowohl das Aufwandsprojekt als auch das zugehörige Festpreis-Unterprojekt inhaltlich betrachtet eine Einheit bilden, sollten beide mit den gleichen Finanzdimensionsgrößen eingerichtet werden. Beispiel:
DE_84_0060

 

D. Dynamics AX Projektbuchungseinstellungen
Alle Projektbuchungsprofileinstellungen wurden so vorgenommen dass sich Projektbuchungstypen und verwendete Sachkonten namentlich entsprechen. Für die Buchung der Projektkosten wurde bspw. ein zugehöriges Sachkonto 540500 „Project costs“ eingerichtet, usw. Im Zusammenhang mit der Einrichtung der Projektbuchungsmatrix wurden im Hinblick auf die verwendeten Sachkontotypen (Bilanz bzw. GuV) die folgenden Überlegungen angestellt:

D.1. Überlegung 1: Lohnzuweisungskonto
Bei der Erfassung von Projektstunden wird buchungstechnisch das sog. Lohnzuweisungskonto im Haben angesprochen.

Wie weiter oben erwähnt, werden alle Stunden- und Aufwandsbuchungen auf dem Festpreisprojekt erfasst, welches alle Kosten – zumindest vorläufig – auf Bilanzkonten einstellt. Aufgrund dessen würde die Verwendung eines GuV-Kontos für Lohnzuweisungsbuchungen einen unmittelbaren Ergebniseffekt hervorrufen, da im Soll ein Bilanzkonto, im Haben allerdings ein GuV Konto angesprochen wird.

Aus der Sicht des Unternehmens stellt ein solcher temporärer „Ergebniseffekt“ regelmäßig kein Problem dar, da der Lohnzuweisungsbuchung im Projektmodul entsprechende Lohn- und Gehaltsaufwandsbuchungen gegenüberstehen. Im Rahmen der hier gewählten Darstellungen ist ein solcher Effekt allerdings unerwünscht, was den Verfasser dazu bewegt hat ein Bilanzkonto für die Abbildung der Lohnzuweisungsbuchungen zu verwenden.
DE_84_0065
Hinweis: Bitte beachten sie dass diese Einstellung speziell für die hier gewählten Darstellungen verwendet wurde und u.U. in ihrem Unternehmen anders vorzunehmen ist.

D.2. Überlegung 2: WIP & Antizipierter Verkaufswert
Ein zweiter Gesichtspunkt im Hinblick auf die Projektbuchungseinstellungen ergibt sich aus der Buchung der sog. „Vorkalkulation“ des Festpreisprojektes. Über die Buchung der Vorkalkulation transferiert Dynamics AX alle Kosten von den Bilanz- auf die GuV-Konten und erstellt zudem eine Abgrenzungsbuchung auf den Sachkonten für „WIP“ und dem „antizipierten Verkaufswert“ in folgender Form (gelb bzw. orange im folgenden Screenshot hervorgehoben).
DE_84_0066

Eine wichtige Frage die sich in diesem Zusammenhang stellt ist, welche Sachkontotypen für die beiden gelb bzw. orange hervorgehobenen Sachkonten verwendet werden sollen. Hierfür wurden die folgenden Optionen in Erwägung gezogen:

Option 1: Verwendung eines Bilanzkontos für das WIP und eines GuV-Kontos für das Erlösabgrenzungskonto. Vorteil: Der Vorteil eines solchen Setups besteht darin, dass eine solche Buchungseinstellung eine periodengerechte Gegenüberstellung von Kosten und Erlösen und somit eine detaillierte Analyse des Projektfortschritts erlaubt. Nachteil: Ein wesentlicher Nachteil dieses Lösungsansatzes besteht darin, dass viele Länder eine derartige „fiktive“ Erlösabgrenzung bzw. Erlösgenerierung nicht erlauben.

Option 2: Die zweite Überlegung die ich angestellt habe bestand darin beide Konten als GuV- oder Bilanzkonten einzurichten, die sich gegenseitig erfolgstechnisch neutralisieren um hierdurch den Ausweis nicht realisierter („fiktiver“) Erlöse in Summe zu vermeiden. Vorteil: Der Vorteil dieser Einrichtungsweise besteht darin, dass man hierüber Probleme mit lokalen Rechnungslegungsvorschriften vermeiden kann. Nachteil: Eine solche Einrichtung hat den Nachteil dass sich aus Gesamtunternehmenssicht der Projekterfolgt de facto erst am Ende der Projektlaufzeit einstellt und es während der Projektlaufzeit zu einer falschen Ergebnisdarstellung kommt.

Option 3: Die letzte hier in Betracht gezogene und realisierte Option bestand darin das WIP und Erlösabgrenzungskonto als sog. „statistische Konten“ einzurichten, die je nach Bedarf in finanzielle Auswertungen einbezogen werden können. Aus Sicht von Dynamics AX wurden die beiden Konten – wie in der weiter oben zuerst betrachteten Option – als Bilanz- bzw. GuV Konten eingerichtet, die allerdings nicht in die für unternehmensexterne bereitgestellten Finanzberichte einbezogen wurden. Vorteil: Diese Vorgehensweise hat den Vorteil dass es hierdurch nicht zu einem falschen Ergebnisausweis kommt und zum anderen alle notwendigen Informationen für eine detaillierte Analyse des Projekterfolgs jederzeit zur Verfügung stehen. Der folgende Screenshot zeigt die beiden für diese Zwecksetzung verwendeten Konten auf.
DE_84_0070

 

E. Dynamics AX weitere erforderliche Projekteinstellungen
Neben den Projekt- und Projektbuchungseinstellungen wurden die weiteren folgenden Einstellungen für die Abbildung des EVM Konzeptes vorgenommen:

E.1. Einrichtung des Projektstrukturplans für das Festpreisprojekt
In einem ersten Schritt wurde zunächst für das Festpreisprojekt ein detaillierter Projektstrukturplan für die verschiedenen Projektphasen einschließlich der zugehörigen geplanten Stunden, Aufwände, usw. eingerichtet. Beispiel:
DE_84_0075

E.2. Übertrag Projektstrukturplan in Projektplanung und Budget
Im zweiten Schritt wurden die Planwerte aus dem Projektstrukturplan in die Projektplanungsmasken und das Sachkontobudget, d.h. das Budgetmodul, übertragen.
DE_84_0080 DE_84_0081

E.3. Setup Planned Value As On-Account Milestone
Im dritten Schritt wurde schließlich der Planwert für das Gesamtprojekt als sog. Meilenstein-Akontowert im Festpreisprojekt erfasst, wie dies beispielhaft im folgenden Screenshot dargestellt ist.
DE_84_0090
Auf den ersten Blick mag diese Einrichtung etwas seltsam erscheinen. Vor dem Hintergrund dass auf dem Festpreisprojekt allerdings keinerlei Erlöse erfasst werden und der hier hinterlegte Wert für die Berechnung des EV erforderlich ist, macht diese Einrichtung allerdings durchaus Sinn. Zu weiteren Einzelheiten siehe auch die nachfolgenden Ausführungen.

 

Fortsetzung folgt in Teil (3)

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