Parallele Lagerbewertung – ein alternativer Ansatz (Teil 5)

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Da sich die anderen produktionsbezogenen Standardkostenabweichungen für den hier gewählten parallelen Bewertungsansatz grundsätzlich nicht unterscheiden, werden diese zusammen im Rahmen dieses Beitrags abgehandelt.

Für die Abbildung und Analyse der Preis-, Mengen- und Substitutionsabweichung wurde hierfür der gleiche Artikel verwendet, der bereits im Rahmen des vorherigen Beitrags verwendet wurde. Im Gegensatz zum vorherigen Produktionsprozess wurden allerdings die folgenden Änderungen vorgenommen:

  1. Anstatt eines Rohmaterials wurden 2 Stück im Rahmen des Produktionsprozesses verbraucht, was zu einer Mengenabweichung von $500 führte.
  2. Vor der Durchführung der Produktion wurde der Standardkostenpreis des Rohmaterials von $500 auf $515 geändert, was eine Peisvarianz in Höhe von $30 [2 Stück x ($515-$500)] nach sich zog.
  3. Die Produktion wurde mit einer anderen Arbeitsplanversion durchgeführt, die einen höheren Kostenkategoriepreis ($600 statt $490) hinterlegt hat. Dies führte zu einer Substitutionsabweichung in Höhe von $110.

warningsign1 Weitere typische Ursachen für produktionsbezogene Standardkostenabweichungen können der folgenden Webseite entnommen werden: https://technet.microsoft.com/en-us/library/gg213654.aspx

 

Der folgende Screenshot zeigt die insgesamt aufgetretenen Produktionskosten in Höhe von $1640, sowie die zugehörigen Preis-, Mengen- und Substitutionsabweichungen auf.

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Wie zuvor fasst die folgende Buchungsübersicht die im Rahmen der Produktion durchgeführten Sachkontobuchungen auf.

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warningsign1 Die farblich grau hervorgehobenen Buchungen heben sich gegenseitig auf und brauchen daher für die folgende Analyse nicht näher betrachtet werden.

 

Für Leser, die mit Buchungsdarstellungen weniger vertraut sind, wurden die obenstehenden Buchungen in die folgenden Bilanz- und GuV-Darstellungen ‚übersetzt‘.

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Aus den obenstehenden Finanzaufstellung kann man entnehmen, dass der Lagerbestandswert der produzierten Erzeugnisse in Höhe von $1000 vergleichsweise zu niedrig für eine auf aktuellen Kosten basierende Lagerbewertung ist ($1640). Aufgrund dessen ist auch für die Preis-, Mengen- und Substitutionsabweichung eine Verteilung wie im vorherigen Beitrag aufgezeigt erforderlich um einen aktuellen Kostenausweis in den Finanzberichten zu erhalten.

Auf das obenstehende Beispiel angewendet würde dies dazu führen, dass die komplette die Preis-, Mengen- und Substitutionsabweichung von der GuV in die Bilanz übernommen werden müsste, weil lediglich eine einzige Zugangs-, aber keinerlei Abgangstransaktion erfasst wurde. Für den Fall dass mehrere Artikel produziert und teilweise schon verkauft wurden, müsste nur ein Teil der verschiedenen Abweichungen in die Bilanz übernommen werden. Da die Einrichtung der hierfür erforderlichen Allokationsregel in gleicher Weise vorgenommen werden kann, wie dies bereits in den vorherigen Beiträgen aufgezeigt wurde, wird an dieser Stelle auf eine detaillierte Darstellung verzichtet.

 

Zusammenfassung:
In diesem und den vorherigen Beiträgen wurde aufgezeigt wie Unternehmen, welche ihre Lagerbestände primär zu Standardkosten bewerten einen parallelen auf aktuellen Kosten basierenden Bestandswert erhalten können. Die folgende Grafik fasst die hierfür erforderlichen Verteilungen der unterschiedlichen Abweichungsarten nochmals überblicksartig zusammen.

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In der obenstehenden Grafik werden die unterschiedlichen Abweichungsarten dahingehend unterschieden ob diese intern oder extern entstehen.

Als intern wurden hierbei die Neubewertungs- und Kostenänderungsvarianz klassifiziert. Externe Abweichungsarten stellen hingegen solche dar, die entweder einen unmittelbaren Bezug zum Beschaffungsmarkt (Einkaufspreisvarianz) oder einen mittelbaren Bezug zum Absatzmarkt aufweisen.

Wie oben aufgezeigt müssen die als intern bezeichneten Varianzen für eine parallele Lagerbewertung vollständig in die Bilanz übernommen werden. Die als extern klassifizierten Abweichungen bedürften hingegen einer Aufteilung in die Bilanz und GuV entsprechend den Zugangs- und Abgangsbuchungen, um einen aktuellen Kostenbewertungsansatz zu erhalten.

Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass eine parallele Lagerbewertung für Unternehmen, die Standardkosten einsetzen über die Anwendung der Allokationsregeln im Standard von Dynamics AX/365 for Operations realisiert werden kann ohne dass weitergehende Systemanpassungen hierfür erforderlich wären.

Ich hoffe dass sie die ein oder andere nützliche Information aus diesem und den vorherigen Beiträgen entnehmen konnten. Bis zum nächsten Beitrag.

Parallele Lagerbewertung – ein alternativer Ansatz (Teil 4)

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Nachdem in den vorherigen Beiträgen interne und einkaufsbezogene Standardkostenabweichungen betrachtet wurden, werden im Rahmen dieses und der folgenden Beiträge produktionsbezogene Standardkostenabweichungen analysiert.

Beginnen wir zunächst hier mit der Losgrößenabweichung, die bspw. dann entsteht, wenn eine andere Menge produziert wurde als die in der originären Standardpreiskalkulation verwendet wurde.

Die folgende Grafik stellt den Aufbau eines Fertigproduktes dar, welches für die nachfolgenden Darstellungen und Erläuterungen verwendet wird.

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Der obenstehenden Grafik kann man entnehmen, dass für die Produktion des Fertigprodukts ein Rohmaterial mit Standardkosten in Höhe von $500 erforderlich ist. Daneben entstehen im Rahmen der Produktion $490 Montage- und $10 Rüstkosten.

 

Da die Rüstkosten unabhängig von der gefertigten Stückzahl sind, nehmen die Produktionskosten pro gefertigter Einheit mit zunehmender Produktionsmenge ab. Die folgende Grafik verdeutlicht diesen Zusammenhang für das eingangs dargestellte Beispielprodukt.

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Werden nun von dem Fertigprodukt insgesamt 10 Stück gefertigt, so entstehen insgesamt Kosten in Höhe von $9910 [10$ Rüstkosten + 10 x ($500 Materialkosten + $490 Arbeitskosten)]. Die im folgenden Bildschirmdruck dargestellte Losgrößenvarianz in Höhe von $90 ist Ausdruck des weiter oben aufgezeigten Fixkostendegressionseffekts.

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Ähnlich zu den vorherigen Beiträgen fasst die folgende Übersicht, die im Rahmen der Produktion durchgeführten Sachkontobuchungen zusammen.

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warningsign1 Die farblich grau hervorgehobenen Buchungen heben sich gegenseitig auf und brauchen daher für die folgende Analyse nicht näher betrachtet werden.

 

Für Leser, die mit Buchungsdarstellungen weniger vertraut sind, wurden die obenstehenden Buchungen in die folgenden Bilanz- und GuV-Darstellungen ‚übersetzt‘.

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Aus der obenstehenden Übersicht kann man einen Fertigwarenbestand in Höhe von $10000 auf dem Sachkonto 140670 entnehmen. Um diese Fertigerzeugnisse herzustellen wurden insgesamt $5000 an Rohmaterialien und $4910 an Arbeitskosten verbraucht. Die verbleibende Differenz zu den Standardkosten wurden der Losgrößenabweichung auf dem Konto 540630 zugeordnet.

 

Der weiter oben dargestellten Produktionskostenübersicht konnte man tatsächliche Produktionskosten in Höhe von $9910 entnehmen. Aus einer aktuellen Kostenbetrachtungsweise sind die Lagerbestände der Fertigwaren um $90 zu hoch bewertet.

Wird eines der produzierten Erzeugnisse später verkauft, so reduziert sich der Fertigwarenbestand entsprechend um $1000, die als Standardkosten für den Artikel hinterlegt wurden. Die nachfolgenden Finanzaufstellungen stellen diese Situation zur besseren Nachvollziehbarkeit nochmals dar.

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Aus aktueller Kostenbetrachtungsweise fällt die Bestandsreduzierung und die Abgangskostenbuchung auf dem Konto 640650 zu hoch aus.

Um einen aktuellen Kostenwert zu erhalten ist es demnach erforderlich die Losgrößenabweichung (LSV) aufzuspalten, ähnlich wie dies im Beitrag zur Einkaufspreisabweichung aufgezeigt wurde. Die folgende Grafik stellt die im Beispielfall erforderliche Aufteilung der Losgrößenabweichung dar.

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Aus Platz- und Vereinfachungsgründen wird die Einrichtung der für diese Aufteilung erforderliche Allokationsregeln nicht dargestellt und stattdessen auf die Ausführungen im ersten Beitrag dieser Reihe verwiesen. Wird die Allokationsregel schließlich verarbeitet, so ergibt sich das nachfolgende Bild in der Bilanz und GuV des Unternehmens.

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Die obenstehende Bilanz- und GuV-Darstellung zeigt im Vergleich zu vorher einen um $81 niedrigeren Bestandswert der Fertigerzeugnisse auf. Diese Reduktion lässt sich aufgrund des Unterschiedes zwischen den tatsächlichen und den Standardkosten erklären [9 Stück x ($1000 – $991)].

Da die derart zugewiesene anteilige Losgrößenabweichung auf einem eigenen Sachkonto erfasst wurde, lässt sich eine parallele Bewertung nach Standardkosten und aktuellen Kosten realisieren.

Zu beachten ist an dieser Stelle auch, dass die Abgangskosten in Höhe von $1000 über eine anteilige Zuordnung der Losgrößenabweichung über das Konto 640651 korrigiert wurden.

Der nächste Beitrag beschäftigt sich den anderen im Rahmen von Produktionsbuchungen erfassten Standardkostenabweichungen und wie mit diesen im Rahmen des hier gewählten parallelen Bewertungsansatzes umzugehen ist.

Parallele Lagerbewertung – ein alternativer Ansatz (Teil 3)

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Die nächste Abweichungsart, die es im Rahmen des hier vorgestellten parallelen Bewertungsansatzes zu berücksichtigen gilt ist die sog. Kostenänderungsabweichung, welche durch die im Folgenden dargestellten beiden Ursachen hervorgerufen werden kann.

 

Ursache 1: Standardkostenpreisunterschiede zwischen verschiedenen Standorten
Standardkosten können in Dynamics AX derart eingerichtet werden, dass für einen Artikel unterschiedliche Kostenpreise pro Standort eingerichtet werden, um hierdurch Kostenunterschiede abzubilden, die bspw. durch unterschiedliche Transport- und Bewirtschaftungskosten entstehen.

Der nächste Bildschirmausdruck stellt eine solche Situation dar, bei der für einen bestimmten Artikel ein Kostenpreis von $100 für den Standort (site) 1 und ein Kostenpreis von $125 für den Standort 2 eingerichtet wurde.

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Um die Auswirkungen dieser Kostenunterschiede auf den parallelen Bewertungsansatz zu untersuchen wurden zunächst 100 Stück des Artikels – der Einfachheit halber über ein Lagerkorrekturjournal – für den Standort 1 zugebucht. Die sich hieraus ergebenden Finanzaufstellungen können der folgenden Übersicht entnommen werden.

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Nach der initialen Zugangsbuchung der Artikel wird in einem zweiten Schritt eine Umlagerung des Artikels von Standort 1 zu Standort 2 durchgeführt.

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Ergebnis dieser Umlagerung ist ein Buchungsbeleg, welcher insgesamt zu einer Erhöhung des Lagerwertes in Höhe des Kostenpreisunterschiedes zwischen den Standorten führte. Die nächsten beiden Bildschirmausdrucke stellen dies nochmals zur besseren Nachvollziehbarkeit dar.

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Bevor im Einzelnen darauf eingegangen wird, wie im Rahmen des hier dargestellten parallelen Bewertungsansatzes mit diesen Kostenänderungsvarianzen umzugehen ist, soll zunächst die zweite mögliche Ursache von Kostenänderungsvarianzen aufgezeigt werden.

 

Ursache 2: Kundenrücklieferung nach Standardkostenpreisanpassung
Kostenänderungsvarianzen können auch in solchen Fällen auftreten bei denen es vor der Rücklieferung eines Kunden zu Änderungen an den Standardkosten kommt.

Das folgende Beispiel stellt eine solche Situation dar, bei der zunächst 100 Stück eines zu Standardkosten von $100/Stück bewerteten Artikels über ein Lagerkorrekturjournal eingebucht wurden. Aus dieser Zubuchung ergaben sich – wie im vorherigen Beispielfall – die folgenden Finanzdarstellungen:

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Im Anschluss an die Zugangsbuchung wurden 5 Stück des Artikels zu einem Verkaufspreis von $200 verkauft. Aufgrund des hinterlegten Standardkostenpreises von $100/Stück ergab sich folgendes Bild in der Bilanz und GuV.

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Im dritten Schritt wurde nun eine Neubewertung der Standardkosten des Artikels von $100 auf $130 durchgeführt. Die sich hieraus ergebenden finanziellen Auswirkungen sind in den folgenden beiden Screenshots dargestellt.

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Den beiden obenstehenden Bildschirmdrucken kann man einen um $2850 höheren Lagerbestandswert entnehmen, der sich wie folgt berechnet: 95 Stück x ($130-$100).

 

Nachdem die Standardkosten des Artikels erhöht wurden entschloss sich der Kunde 3 der insgesamt 5 verkauften Artikel zurückzusenden. Die Buchung der Rücksendung und der zugehörigen Gutschrift resultierte in dem in der folgenden Darstellung zusammengefassten Buchungsbeleg.

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warningsign1 Die farblich grau hervorgehobenen Buchungen heben sich gegenseitig auf und brauchen daher für die folgende Analyse nicht näher betrachtet werden.

 

Die obenstehende Buchungszusammenfassung zeigt zum einen die aufgrund der Rücklieferung ausgelöste Umsatzkorrektur in Höhe von $600 auf (3 Stück x $200/Stück). Zum anderen kann der Buchungsdarstellung eine entsprechende Korrektur der Umsatzkosten und der Lagerbestandswerte entnommen werden.

Im Ergebnis verblieb aus der Rücklieferung ein um $90 höherer Lagerwert. Dies kann bspw. anhand des auf dem Konto 140450 gebuchten Abgangsbetrages identifiziert werden. Anders ausgedrückt resultierte der Verkauf und die Rücklieferung der drei Stück in einem Gewinnanstieg in Höhe von $90, welcher der folgenden Finanzaufstellung entnommen werden kann.

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Nachdem die möglichen Ursachen von Kostenänderungsvarianzen dargestellt wurden stellt sich an dieser Stelle die Frage, wie mit diesen Varianzen im Rahmen des parallelen Bewertungsansatzes umzugehen ist.

Wie im vorherigen Beitrag erwähnt, reflektieren Unterschiede in Standardkostenpreisen regelmäßig keine Marktpreisunterschiede, sondern i.d.R. Unterschiede in Transport-, Bearbeitungskosten, usw.

Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass es im Rahmen einer aktuellen Kostenbewertung regelmäßig nicht zu Gewinnen und Verlusten aus der internen Umlagerung von Artikeln kommt. Das gleiche gilt für die identifizierte zweite Ursache von Kostenänderungsvarianzen. Anders ausgedrückt wird ein Unternehmen durch den Verkauf und die Rücknahme eines Artikels nicht reicher, wie dies im Fall von Standardkosten weiter oben aufgezeigt wurde.

Da Kostenänderungsvarianzen lediglich Zugangsbuchungen betreffen kann – ähnlich wie im vorherigen Beitrag – schlussgefolgert werden, dass die komplette Kostenänderungsvarianz über den Einsatz einer Allokationsregel von der GuV in die Bilanz zu übernehmen ist.

Im nächsten Beitrag werden die sich aus der Produktion von Standardkosten ergebenden Varianzen näher untersucht um zu entscheiden wie mit diesen Varianzen im Rahmen des hier vorgestellten parallelen Bewertungsansatzes umzugehen ist.

Parallele Lagerbewertung – ein alternativer Ansatz (Teil 2)

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Nachdem im vorherigen Beitrag der Umgang mit Einkaufspreisabweichungen im Rahmen einer parallelen Standardkosten- & aktuellen Kostenpreisbewertung aufgezeigt wurde, wird in diesem zweiten Beitrag der Umgang mit Neubewertungsabweichungen und deren Einfluss auf den hier vorgestellten parallelen Bewertungsansatz betrachtet.

 

Ausgangssituation:
Am Ende eines Geschäftsjahres soll der Standardkostenpreis eines Artikels von $100 auf $109 erhöht werden. Bei einem zweiten, ebenfalls zu Standardkosten geführten Artikel, soll eine Kostenpreisanpassung von $100 auf $95 erfolgen. Da sich von beiden Artikeln aktuell 100 Stück auf Lager befinden, ergibt sich vor der Durchführung der Neubewertung ein Lagerwert in Höhe von $20000, der aus der nachfolgend dargestellten Finanzauswertung entnommen werden kann.

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warningsign1 Aus Vereinfachungsgründen wurden die Lagerbestände über ein Lagerregulierungsjournal eingebucht, welches zu den obenstehenden Bestands- und Erfolgsausweisen führte.

 

Die eigentliche Anpassung der Standardkosten wurde im Anschluss an die Zugangsbuchungen der Artikel in der Standardkosten-Nachkalkulationsversion durchgeführt. Der folgende Screenshot stellt diese Anpassung exemplarisch dar.

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Nachdem die neuen Standardkostenpreise aktiviert wurden, ergab sich ein um $400 höherer Lagerbestandswert, welcher der folgenden Darstellung entnommen werden kann.

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Der höhere Lagerbestandswert lässt sich zum einen aus der Werterhöhung des ersten Artikels [($109-$100) x 100 Stück] und zum anderen aus der Wertminderung des zweiten Artikels [($95-$100) x 100 Stück] erklären. Werden die derart neu bewerteten Artikel im Anschluss verkauft, so werden die neuen Standardkostenpreise für die Abgangsbuchungen herangezogen.

 

An dieser Stelle stellt sich nun die Frage, ob die Neubewertungsabweichung in der GuV verbleiben kann, oder ob diese ebenfalls (ähnlich der Einkaufspreisabweichung) aufgespalten und verteilt werden muss, um die Lagerbestände zu aktuellen Kosten zu bewerten?

Diese Frage lässt sich dergestalt beantworten, dass eine Aufspaltung und Verteilung der Neubewertungsabweichung regelmäßig nicht erforderlich ist, wenn die Anpassung der Standardkostenpreise an aktuelle Marktpreise erfolgt. Zuvor ermittelte und verteilte Einkaufspreisabweichungsbeträge sind in diesem Fall allerdings rückgängig zu machen, um eine Überkorrektur der zu ‚aktuellen‘ Standardkosten bewerteten Lagerbestände zu vermeiden.

In der Praxis passen Firmen ihre Standardkostenpreise regelmäßig nicht an aktuelle Markt-/Kostenpreise an. Andernfalls hätten sie von vornherein ein anderes Bewertungsmodell, wie z.B. LIFO, FIFO, usw. wählen können. Vor diesem Hintergrund kann man schlussfolgern, dass eine Anpassung der Neubewertungsabweichung erforderlich ist, um einen auf aktuellen Kosten basierenden Bestandswert zu erhalten. Eine wesentliche Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt ist, wie eine solche Anpassung erfolgen kann?

Nach Ansicht d. Verf. ist die gesamte Neubewertungsabweichung für eine auf aktuellen Kosten basierende Bestandsbewertung aus der GuV in die Bilanz zu übernehmen. Dies kann dadurch begründet werden, dass von der Neubewertung lediglich Zugangstransaktionen – d.h. nur solche Artikel, die sich gerade im Bestand oder in Bearbeitung befinden – betroffen sind. Über einen späteren Verkauf bzw. Verbrauch der Artikel wird die in die Bilanz übernommene Neubewertungsabweichung aufgrund des angepassten Standardkostenpreises sukzessive wieder eliminiert. Aufgrund dessen ist keine Aufspaltung und Verteilung der Neubewertungsvarianz ähnlich der im vorherigen Beitrag aufgezeigten Einkaufspreisvarianz erforderlich.

Der nächste Beitrag setzt die Analyse der Standardkostenabweichungen im Rahmen des hier vorgestellten parallelen Bewertungsansatzes fort.

Parallele Lagerbewertung – ein alternativer Ansatz (Teil 1)

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In einem früheren Beitrag wurde die Problemstellung einer parallelen Lagerbewertung nach unterschiedlichen Bewertungsprinzipien bereits im Detail aufgezeigt.

Während im vorherigen Beitrag im speziellen die russische sog. dual warehouse Funktion im Vordergrund stand und im Detail betrachtet wurde, soll im Rahmen dieses Beitrag ein alternativer Bewertungsansatz vorgestellt werden, der nicht auf landesspezifische Funktionen abstellt, sondern auf allgemein im Standard von Dynamics AX/365 for Operations Funktionen aufbaut.

 

Ausgangssituation:
Der nachfolgend vorgestellte alternative Bewertungsansatz basiert auf der Annahme, dass ein Unternehmen, welches seine Lagerbestände zu Standardkosten bewertet eine auf aktuellen Kosten basierende Lagerbewertung für externe Berichtszwecke benötigt.

Aus Gründen der einfacheren Nachvollziehbarkeit wird der vorgestellte alternative Bewertungsansatz basierend auf den folgenden Beispielbuchungen für einen Handelsartikel dargestellt.

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(DOM = Day Of the Month)

Die erste Transaktion in der obenstehenden Darstellung repräsentiert eine Bestellung über 50 Stück des Artikels, der zu einem Preis von $110 eingekauft wird. Aufgrund der hinterlegten Standardkosten in Höhe von $100/Stück, ergibt sich aus dieser ersten Bestelltransaktion eine Einkaufspreisabweichung (Purchase Price Variance, PPV) in Höhe von $500.

Die zweite Transaktion stellt ebenfalls eine Bestellung über weitere 150 Stück des Artikels dar, die zu einem Preis von $95 eingekauft werden. Der wesentliche Unterschied zur ersten Bestelltransaktion besteht darin, dass für diese Zweite lediglich der Bestell-Lieferschein, nicht aber die Bestell-Rechnung gebucht wird.

Die dritte und vierte Beispieltransaktion umfassen Lagerkorrekturbuchungen, die zu keinerlei Einkaufspreisabweichung führen.

Im Anschluss an die beiden internen Lagerkorrekturbuchungen wurde erneut eine Bestellung über 250 Stück des Artikels zu einem Preis in Höhe von $105 erfasst, die in ihrer Gesamtheit zu einer Einkaufspreisabweichung in Höhe von $1250 führte.

Nach all den Zugangs- und internen Lagerkorrekturbuchungen wurden schließlich 50 Stück des Artikels verkauft. Aufgrund des hinterlegten Standardkostenpreises von $100/Stück wurde der Lagerwert entsprechend um $5000 reduziert.

Die folgende Übersicht fasst die sich aus den Beispieltransaktionen ergebenden Bilanz- und GuV-Darstellungen zusammen.

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Aus der obenstehenden Übersicht kann zum einen ein zu Standardkosten bewerteter Lagerbestand in Höhe von $45000, sowie zum anderen eine Einkaufspreisabweichung (PPV) in Höhe von $1000 entnommen werden.

 

Nach der Darstellung dieser Finanzwerte ging ich zunächst daran einmal manuell einen theoretischen auf aktuellen Kosten basierenden Lagerbestandswert zu errechnen, um hierdurch einen Anhaltspunkt bzw. ein Gefühl für den ‚korrekten‘ Lagerwert zu erhalten.

Um dies zu realisieren wurde in einem ersten Schritt – ähnlich wie dies Dynamics AX/365 for Operations macht – vor jeder Abgangsbuchung ein durchschnittlicher Lagerwert bzw. Preis berechnet, mit dem im Anschluss die Abgangsbuchungen bewertet wurden. Die nachfolgende Übersicht stellt diese ‚Rechenübung‘ exemplarisch dar.

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warningsign1 Zu beachten ist bei dieser manuellen Berechnung, dass sich je nach gewählter Durchschnittsberechnungsmethode ein anderer theoretischer Lagerwert ergibt. Wird die Durchschnittspreisberechnung bspw. derart durchgeführt, dass ein einziger Durchschnittspreis für alle Abgangsbuchungen verwendet wird, so ergibt sich ein Lagerwert in Höhe von $45849.06.

 

Diese Unterschiede sind für die nachfolgenden Darstellungen allerdings nur von sekundärer Bedeutung. Von primärer Bedeutung ist hingegen die Erkenntnis, dass die zu Standardkosten bewerteten Abgangswerte einer Anpassung bedürfen.

 

Wie eine solche Anpassung umgesetzt werden kann ist in der folgenden Übersicht dargestellt, die davon ausgeht, dass die gesamte Einkaufspreisabweichung (PPV) in zwei Teile aufgespalten werden kann. Zum einen in einen Teil, der den Lagerzugängen (receipts) zugeordnet werden kann und zum anderen in einen Teil, der den Lagerabgängen (issues) zugeordnet werden kann.

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Der in der obenstehenden Darstellung aufgezeigte Betrag in Höhe von $868.85, welcher den Zugangsbuchungen (receipts) zugeordnet wurde, kann über eine einfache Dreisatzrechnung ermittelt werden ($868.85 = $1000/($53000+$8000) * $53000).

warningsign1 Im Rahmen dieser Berechnung ist zu beachten, dass sich ein geringfügig anderes Ergebnis einstellt, wenn die internen Zu- und Abgangsbuchungen – die zu keiner Einkaufspreisabweichung führten – aus der Berechnung herausgelassen werden. Die folgende Grafik zeigt die sich alternativ ergebenden anteiligen Einkaufspreisabweichungsbestandteile auf.

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Ausgehend von der zuletzt aufgezeigten Aufspaltung der Einkaufspreisabweichung kann ein auf aktuellen Kosten basierender Lagerwert durch die Zuordnung des auf die Zugänge entfallenden Anteils der Einkaufspreisabweichung ermittelt werden. Diese Zuordnung und der sich insgesamt ergebende Lagerwert sind in der nachfolgenden Übersicht zusammenfassend dargestellt.

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Nachdem von theoretischer Seite die Ableitung eines auf aktuellen Kosten basierenden Lagerwertes dargestellt wurde, stellt sich nun die Frage, wie dieser Bewertungsansatz in Dynamics AX/365 for Operations umgesetzt werden kann.

Diese Frage lässt sich dergestalt beantworten, dass hierfür die im Hauptbuch verfügbaren Allokationsregeln verwendet werden können.

Der folgende Screenshot zeigt die im Rahmen dieses Beitrags verwendete Allokationsregel auf, die von der sog. ‚basis‘ Allokationsmethode Gebrauch macht.

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Das Einkaufspreisabweichungskonto (Nr. 540400) wurde im Rahmen der Einrichtung der Allokationsregel in der Quellmaske hinterlegt.

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warningsign1 An dieser Stelle ist zu beachten, dass die Hinterlegung des Einkaufspreisabweichungskontos 540400 im Zusammenhang mit der Finanzdimension ‘itemgroup’ (Artikelgruppe) erfolgte. Diese Einrichtung führt streng genommen nicht zu einer Einzelbewertung des Artikels, sondern zu einer vereinfachten Gruppenbewertung gleichnamiger ‚trade‘ bzw. Handelsartikel. Aus Sicht des Verfassers lässt sich diese Vereinfachung allerdings mit den geltenden Rechnungslegungs- und Steuervorschriften vereinbaren. Darüber hinaus ist zu beachten, dass Finanzberichte an externe Adressaten regelmäßig nicht einen Einzelausweis aller bestandsgeführten Artikel vorsehen, sondern diese nach unterschiedlichen Gruppen zusammenfassen.

 

Um die Einrichtung der Allokationsregel fortzusetzen ist des Weiteren die Hinterlegung eines Verteilungskontos für die Einkaufspreisabweichung erforderlich. Bei dieser Hinterlegung ist darauf zu achten, dass nicht das originäre Einkaufspreisabweichungskonto hinterlegt wird.

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Im letzten Einrichtungsschritt, sind schließlich die sog. Zielbeziehungen zu definieren, die im Beispielfall so vorgenommen wurden, dass eine verhältnismäßige Aufteilung der gesamten Einkaufspreisabweichung entsprechend den durchgeführten Zu- und Abgangsbuchungen erfolgte. Die beiden folgenden Screenshots fassen die hierfür vorgenommenen Einstellungen nochmals zusammen.

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Im Rahmen des letzten Einrichtungsschrittes ist zu beachten, dass der den Zugängen zugeordnete Teil der Einkaufspreisabweichung auf ein Bilanzkonto (Nr. 140499) gebucht wird. Der den Abgängen zugeordnete Teil der Einkaufspreisabweichung verbleibt hingegen in der GuV – im Beispiel auf dem Konto 540401.

Wird die derart eingerichtete Allokationsregel schließlich aktiviert und verarbeitet, so erstellt Dynamics AX/365 for Operations ein Allokationsjournal mit folgendem Inhalt:

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Die folgende Finanzdarstellung stellt die sich aus der durchgeführten Allokationsbuchung resultierenden Bilanz- und GuV-Darstellungen nochmals zusammenfassend dar.

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Beurteilung:
Der im Rahmen dieses Beitrags vorgestellte parallele Bewertungsansatz setzt voraus, dass alle Artikel mit einer Finanzdimension für die dem Artikel zugeordnete Artikelgruppe bzw. Artikelnummer eingerichtet wurden. Darüber hinaus ist es erforderlich unterschiedliche Sachkonten für die Zugangs- und Abgangskonten zu verwenden.

Abgesehen von diesen Einrichtungsgesichtspunkten ergeben sich aus der Anwendung der dargestellten Bewertungsmethode die folgenden Nachteile:

  1. Zum einen, dass der zu aktuellen Kosten bewertete Lagerbestand lediglich im Hauptbuch identifiziert werden kann und
  2. Zum anderen, dass der hier dargestellte Bewertungsansatz die Nutzung von Standardkosten voraussetzt.

Trotz dieser Nachteile erscheint der hier dargestellte Ansatz besser geeignet zu sein als alternative Vorgehensweisen denen der Verfasser im Laufe der Vergangenheit begegnet ist, wie z.B. die Entwicklung gesonderter de facto nicht nachvollziehbarer Lagerberichtsauswertungen, die als Grundlage für die Durchführung von Anpassungsbuchungen im Hauptbuch verwendet werden oder die Durchführung ‚kreativer‘ Excelberechnungen, um einen wie auch immer gearteten auf aktuellen Kosten basierenden Lagerwert zu ermitteln. Darüber hinaus ist zu beachten, dass n.M. des Verfassers der hier dargestellte Ansatz mit den sog. ‚specific identification‘, d.h. den Einzel- bzw. Gruppen-Bewertungsvorschriften von IFRS und US-GAAP im Einklang steht.

Im Rahmen des der nächsten Beiträge wird der hier vorgestellte Bewertungsansatz für weitere Standardkostenabweichungsarten dargestellt.

Rücklieferungseinstandspreise & Abwertungen

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Vor kurzem fragte mich ein Kollege, wie man von Kunden zurückgelieferte Artikel abwerten könne. Da dieses Thema m.E. von allgemeiner Bedeutung ist, habe ich einige Fallstricke, auf dies es aus einer Kostenbewertungssicht zu achten gilt nachfolgend zusammengefasst.

 

Ausgangssituation:
Vor einiger Zeit wurden 1000 Stück eines Handelsgutes zu einem Preis von $100/Stück eingekauft. Wenig später wurden hiervon 100 Stück zu einem Preis von $200/Stück an einen Kunden weiterverkauft. Aufgrund eines Fehlers in der Bestellung sandte der Kunde anschließend wieder 20 Stück zurück, die abgewertet werden sollen, da diese verunreinigt waren.

Um die Rücklieferung des Kunden zu erfassen wurde zunächst wie im Standard von Dynamics AX/365 for Operations üblich eine Rücklieferung in der Rücklieferungsmaske angelegt. Da der ursprüngliche Auftrag nicht mehr bekannt war, wurde dieser über die Suchfunktion herausgesucht, um die 20 zurückgelieferten Güter entsprechend zu erfassen. Die folgenden beiden Screenshots zeigen dies im Detail auf.

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Mit der Bestätigung der zurückgelieferten Menge wurde automatisch eine Rücklieferungszeile angelegt. Da diese mit dem ursprünglichen Auftrag verknüpft war, konnte der Rücklieferungseinstandspreis zwar betrachtet, nicht aber verändert werden.

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Nach der Buchung der Erfassung und des Lieferscheins wurde daher versucht den Rücklieferungseinstandspreis in der Auftrags-/Gutschriftsmaske unmittelbar zu überschreiben in der Hoffnung, dass der überschriebene Kostenpreis bei der Buchung der Gutschrift herangezogen wird.

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Diese Hoffnung erfüllte sich leider nicht, da die Buchung der Gutschrift bzw. der zurückgelieferten Güter zum ursprünglichen Einstandspreis von $100/Stück bzw. $2000 für 20 Stück erfolgte. Der folgende Screenshot zeigt die zugehörige Artikelbuchung der Rücklieferung Nr. 000801 auf.

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warningsignklein Bitte beachten sie die Verknüpfung des ursprünglichen Verkaufsauftrages Nr. 000801 mit dem sog. Rücklieferungsauftrag Nr. 000800 über die Losgrößen (Lot Id) Nummern.

Da die Änderung des Rücklieferungseinstandspreises aufgrund der Verknüpfung zwischen dem ursprünglichen Auftrag und dem Rücklieferungsauftrag nicht zum gewünschten Erfolg führte, wurde als nächstes versucht über die Lagerregulierungs- und –abschlussmaske eine entsprechende Korrektur herbeizuführen.

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Leider führte dies auch nicht zum gewünschten Ergebnis, da lediglich die originäre Zugangsbuchung aus der Bestellung der Güter reguliert werden konnte.

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warningsignklein Nachdem ein Lagerabschluss durchgeführt wurde, bestand neben der Möglichkeit einer Einzelbuchungsanpassung auch eine Anpassung am gesamten Bestandswert vorzunehmen. Diese Vorgehensweise wurde allerdings verworfen, da lediglich eine Teilmenge (20 Stück), nicht aber der gesamte Bestand wertkorrigiert werden sollte.

 

Anstatt zu versuchen die Wertkorrektur im Nachhinein durchzuführen wurde testweise eine weitere Rücklieferung über 10 Stück erfasst, um diese eindeutig von der ersten Rücklieferung unterscheiden zu können.

Bei dieser zweiten Rücklieferung wurde die Rücklieferungsposition manuell angelegt ohne diese mit dem ursprünglichen Auftrag zu verknüpfen. Aufgrund dessen war es möglich den Rücklieferungseinstandspreis unmittelbar in der Rücklieferungsmaske anzupassen. Dieser angepasste Einstandspreis wurde schließlich auch für die Buchung der Rücklieferung herangezogen. Die beiden folgenden Screenshots zeigen dies im Detail auf.

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warningsignklein Da keine Verknüpfung zum Ursprungsauftrag hergestellt wurde bestand im Falle der zweiten Rücklieferung auch die Möglichkeit die Rücklieferungstransaktion später bzw. nachträglich über die Lagerabschluss-/-regulierungsmaske zu korrigieren. Siehe hierzu beispielhaft den folgenden Bildschirmdruck.

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warningsignklein Eine weitere Alternative zur Durchführung der Abwertung der zurückgelieferten Güter besteht darin, über einen Belastungscode eine Abwertungsrückstellung auf Sachkontenebene durchzuführen. Der erforderliche Belastungscode kann hierbei entweder unmittelbar mit dem Rücklieferungsauftrag oder mit den verfügbaren Dispositionscodes verknüpft werden. Letzteres ist im folgenden Screenshot dargestellt.

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Ein wesentlicher Nachteil dieser Alternative besteht darin, dass die Abwertung lediglich auf Sachkontenebene erfolgt und identifiziert werden kann, da die Zuweisung artikelbezogener Belastungscodes aktuell nicht möglich ist.

 

Zusammenfassung:
Innerhalb dieses Beitrags wurden einige Fallstricke aufgezeigt, die es im Rahmen der Abwertung zurückgelieferter Güter beachten gilt. Ich hoffe sie fanden die hier aufgeführten Hinweise hilfreich und verbleibe bis zum nächsten Beitrag.

2 Jahre Dynamics AX Fico Blog

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Vor ziemlich genau 2 Jahren begann ich zum ersten Mal auf dieser Seite Beiträge zu Dynamics AX mit Finance & Controllingbezug einzustellen.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen mich bei allen Lesern zu bedanken und möchte diesen Anlass nutzen die Seite und Beiträge zukünftig noch besser zu machen. Hierfür habe ich zwei kurze Fragen vorbereitet und wäre Ihnen über eine Rückmeldung dankbar.

Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.
P.S. Für alle die die Fragen beantwortet haben gibt es den folgenden $15 Discount voucher (SXAD3AFC), der im CreateSpace e-shop in den kommenden beiden Wochen eingelöst werden kann.

Verknüpfung von mehreren Management Reporter Berichten

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Bei der Verknüpfung von unterschiedlichen Finanzberichten handelt es sich um eine gewöhnliche Anforderung aus dem Finance-Bereich, die bspw. für die Übernahme des Gewinns/Verlustes aus der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) in die Bilanz zum Tragen kommt.

Microsoft hat diesbezüglich eine detaillierte Beschreibung, wie diese Verknüpfung vorgenommen werden kann, auf dieser Webseite bereitgestellt.

Vor kurzem wurde ich mit einer ähnlichen Anforderung konfrontiert, bei der es darum ging nicht nur einen, sondern mehrere Management Reporter (MR) Berichte miteinander zu verknüpfen. Zunächst ging ich hierbei davon aus, dass diese Mehrfachverknüpfung in gleicher Art und Weise vorgenommen werden kann, wie dies für die Verknüpfung eines einzelnen MR Berichts der Fall ist. Aufgrund dessen habe ich zunächst einen MR Bericht eingerichtet, der statt einer, zwei Verknüpfungen zu unterschiedlichen Berichten aufweist. (Im gewählten Beispiel zur Bilanz und GuV). Der nachfolgende Screenshot zeigt die vorgenommene Mehrfachverknüpfung auf.
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Die zugehörige Einrichtung der Berichtszeilen weist demnach zwei statt einer einzelnen ‘@WKS(…)’ Verknüpfung auf.
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Die Einrichtung der Berichtsspalten wurde schließlich so vorgenommen, wie dies von Microsoft im eingangs erwähnten Beitrag dargestellt ist. Der nachfolgende Screenshot zeigt diese Einstellung der Berichtsspalten auf.
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Trotz der vorgenommenen Erweiterungen an den Berichtseinstellungen wies der erstellte Finanzbericht allerdings lediglich die Daten aus der Bilanz, nicht aber die aus der GuV aus.
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Eine weitergehende Untersuchung des Problems führte schließlich zur Berichtsstatusmaske, aus der man die folgende Warnmeldung entnehmen konnte.
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Basierend auf dieser Warnmeldung, welche auf eine fehlerhafte Berichtseinstellung hinweist, wurden die nachfolgend beschriebenen weitergehenden Berichtsmodifikationen vorgenommen.

Zunächst wurde hierbei die Verknüpfungsbeziehung zum GuV-Bericht geändert. Satt einer ‚Financial Dimensions + Worksheet‘ Verknüpfung wurde eine ‘Management Reporter Worksheet’ Verknüpfung gewählt, wie dies im nächsten Screenshot dargestellt ist.
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Dieser Änderung folgend wurde auch die Verknüpfungsbeziehung zum GuV-Bericht von ‘@WKS(B=C35)’ auf ‘C35’ abgeändert.
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Darüber hinaus wurden die in den Berichtszeilen hinterlegten Verknüpfungsbeziehungen zur Bilanz und GuV in einem Berichtsbaum aufgenommen, der im folgenden Screenshot dargestellt ist.
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Bei der Einrichtung des Berichtsbaumes ist insbesondere darauf zu achten, dass sämtliche in den Berichtszeilen definierten Verknüpfungen referenziert werden. Andernfalls wird die nachfolgende Berichtserstellung mit einer Fehlermeldung abgebrochen.

Die letzte hier vorgenommene Modifikation betrifft die Berichtsspalteneinstellungen, die um eine WKS (Worksheet) Spalte erweitert wurde und eine Verknüpfung zu den Berichtsbaumelementen aufweist. Beispiel:
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Mit diesen geänderten Einstellungen kann schließlich der Bericht erstellt werden, welcher nun die entsprechenden Daten aus der Bilanz und GuV ausweist.
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warningsign1Alle in diesem Beitrag aufgezeigten Einstellungen wurden mit der MR Version CU12 vorgenommen, um hierdurch einen unmittelbaren Vergleich zu der eingangs aufgeführten Beschreibung von Microsoft zu gewährleisten. In neueren MR Versionen wurde die hier verwendete ‚Financial Dimensions + Worksheet‘ Verknüpfung allerdings entfernt, so dass für die Verknüpfung mehrerer MR Berichte lediglich die für die GuV aufgezeigte ‚Worksheet‘ Verknüpfung verbleibt.

Hinweis zur Funktion der zugesagten Projektkosten

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Projektbezogene Ausgabenrechnungen können auf verschiedene Arten in Dynamics AX erfasst werden, wie z.B. über Kreditorenrechnungsjournale, Projektausgabenjournale oder das sog. Rechnungsworkbench, um nur einige Möglichkeiten zu erwähnen.

Ein wichtiger Gesichtspunkt in diesem Zusammenhang ist der Zeitpunkt zu dem Ausgaben auf Ebene von Projekten identifiziert werden können. Dieser Zeitgesichtspunkt ist vor allem in solchen Unternehmen wichtig, die aufgrund detaillierter Rechnungsprüfungs- und Genehmigungsprozeduren vergleichsweise lange Rechnungsdurchlaufzeiten haben.

Um Unterschiede in der Art der Erfassung von projektbezogenen Kreditorenrechnungen besser nachvollziehen zu können, soll nachfolgend exemplarisch eine Rechnung über $150 zunächst über ein Kreditorenrechnungsjournal erfasst werden, um diesen Erfassungsprozess anschließend mit einer Erfassung über das Rechnungsworkbench vergleichen zu können.

Beginnen wir zunächst mit der Rechnungserfassung über ein gewöhnliches Kreditorenrechnungsjournal, welches im folgenden Screenshot beispielhaft dargestellt ist. Bitte beachten sie bei dieser Darstellung, dass die Rechnung, das Kreditorenkonto und das Projekt, auf welches die Kosten gebucht werden sollen, im linken oberen Bereich des Screenshots dargestellt sind. Der rechte untere Bereich zeigt darüber hinaus weitergehende projektspezifische Angaben, wie die Projektkategorie, den Verkaufspreis, usw. an, die im Projektreiter des Journals erfasst werden.

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Nachdem die Rechnung erfasst und gespeichert wurde, können erwartungsgemäß noch keine Kosten auf Ebene des Projekts identifiziert werden. Die nachfolgend dargestellte Projektkostenkontrollmaske weist dementsprechend noch keine Werte aus.

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Dies ändert sich allerdings zum Zeitpunkt der Rechnungsbuchung, ab dem die entsprechenden Projektkosten identifiziert und analysiert werden können. Beispiel:

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Betrachten wir nun im Vergleich hierzu welchen Unterschied die Erfassung einer vergleichbaren Rechnung über das sog. Rechnungsworkbench, d.h. die Maske der ausstehenden Kreditorenrechnungen, macht. Hierfür wird zunächst eine neue Rechnung wie nachfolgend dargestellt angelegt…

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… um anschließend zunächst alle Rechnungsinformationen zu erfassen. Beispiel:

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Im Gegensatz zur Rechnungserfassung über das Kreditorenrechnungsjournal können nun allerdings bereits mit der Speicherung der Rechnungsinformationen die voraussichtlich auf dem Projekt auflaufenden Kosten über die Projektkostenkontrollmaske identifiziert werden. Die voraussichtlich auftretenden Kosten werden hierbei als sog. zugesagte Kosten (committed costs) entsprechend ausgewiesen, wie dies im folgenden Screenshot beispielhaft dargestellt ist.

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Die Möglichkeit derart erfasste Projektausgaben schon frühzeitig auf Projekten identifizieren und analysieren zu können ist eines der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale der Rechnungserfassung über das sog. Rechnungsworkbench im Vergleich zu einer Erfassung über Rechnungsjournale.

Speziell in Unternehmen mit langen Durchlauf- und Prüfprozessen kann sich die hier aufgezeigte frühzeitige Identifikation von Projektkosten als sinnvoll erweisen, um vor ‚bösen‘ Überraschungen gefeit zu sein.

Hinweis: Voraussetzung für die aufgezeigte frühzeitige Identifikation von Projektkosten ist zum einen die Aktivierung der im folgenden Screenshot dargestellten Projektparameter.

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Darüber hinaus ist die Einrichtung eines periodischen Verarbeitungslaufes zur Ermittlung der zugesagten Projektkosten erforderlich. Beispiel:

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