Schlagwörter

, , ,

Nachdem im vorherigen Beitrag der Umgang mit Einkaufspreisabweichungen im Rahmen einer parallelen Standardkosten- & aktuellen Kostenpreisbewertung aufgezeigt wurde, wird in diesem zweiten Beitrag der Umgang mit Neubewertungsabweichungen und deren Einfluss auf den hier vorgestellten parallelen Bewertungsansatz betrachtet.

 

Ausgangssituation:
Am Ende eines Geschäftsjahres soll der Standardkostenpreis eines Artikels von $100 auf $109 erhöht werden. Bei einem zweiten, ebenfalls zu Standardkosten geführten Artikel, soll eine Kostenpreisanpassung von $100 auf $95 erfolgen. Da sich von beiden Artikeln aktuell 100 Stück auf Lager befinden, ergibt sich vor der Durchführung der Neubewertung ein Lagerwert in Höhe von $20000, der aus der nachfolgend dargestellten Finanzauswertung entnommen werden kann.

203_p2_0005_neu

warningsign1 Aus Vereinfachungsgründen wurden die Lagerbestände über ein Lagerregulierungsjournal eingebucht, welches zu den obenstehenden Bestands- und Erfolgsausweisen führte.

 

Die eigentliche Anpassung der Standardkosten wurde im Anschluss an die Zugangsbuchungen der Artikel in der Standardkosten-Nachkalkulationsversion durchgeführt. Der folgende Screenshot stellt diese Anpassung exemplarisch dar.

203_p2_0010_neu

Nachdem die neuen Standardkostenpreise aktiviert wurden, ergab sich ein um $400 höherer Lagerbestandswert, welcher der folgenden Darstellung entnommen werden kann.

203_p2_0015

Der höhere Lagerbestandswert lässt sich zum einen aus der Werterhöhung des ersten Artikels [($109-$100) x 100 Stück] und zum anderen aus der Wertminderung des zweiten Artikels [($95-$100) x 100 Stück] erklären. Werden die derart neu bewerteten Artikel im Anschluss verkauft, so werden die neuen Standardkostenpreise für die Abgangsbuchungen herangezogen.

 

An dieser Stelle stellt sich nun die Frage, ob die Neubewertungsabweichung in der GuV verbleiben kann, oder ob diese ebenfalls (ähnlich der Einkaufspreisabweichung) aufgespalten und verteilt werden muss, um die Lagerbestände zu aktuellen Kosten zu bewerten?

Diese Frage lässt sich dergestalt beantworten, dass eine Aufspaltung und Verteilung der Neubewertungsabweichung regelmäßig nicht erforderlich ist, wenn die Anpassung der Standardkostenpreise an aktuelle Marktpreise erfolgt. Zuvor ermittelte und verteilte Einkaufspreisabweichungsbeträge sind in diesem Fall allerdings rückgängig zu machen, um eine Überkorrektur der zu ‚aktuellen‘ Standardkosten bewerteten Lagerbestände zu vermeiden.

In der Praxis passen Firmen ihre Standardkostenpreise regelmäßig nicht an aktuelle Markt-/Kostenpreise an. Andernfalls hätten sie von vornherein ein anderes Bewertungsmodell, wie z.B. LIFO, FIFO, usw. wählen können. Vor diesem Hintergrund kann man schlussfolgern, dass eine Anpassung der Neubewertungsabweichung erforderlich ist, um einen auf aktuellen Kosten basierenden Bestandswert zu erhalten. Eine wesentliche Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt ist, wie eine solche Anpassung erfolgen kann?

Nach Ansicht d. Verf. ist die gesamte Neubewertungsabweichung für eine auf aktuellen Kosten basierende Bestandsbewertung aus der GuV in die Bilanz zu übernehmen. Dies kann dadurch begründet werden, dass von der Neubewertung lediglich Zugangstransaktionen – d.h. nur solche Artikel, die sich gerade im Bestand oder in Bearbeitung befinden – betroffen sind. Über einen späteren Verkauf bzw. Verbrauch der Artikel wird die in die Bilanz übernommene Neubewertungsabweichung aufgrund des angepassten Standardkostenpreises sukzessive wieder eliminiert. Aufgrund dessen ist keine Aufspaltung und Verteilung der Neubewertungsvarianz ähnlich der im vorherigen Beitrag aufgezeigten Einkaufspreisvarianz erforderlich.

Der nächste Beitrag setzt die Analyse der Standardkostenabweichungen im Rahmen des hier vorgestellten parallelen Bewertungsansatzes fort.